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Sonntag, 13. Februar 2011

Die Salafiten und die Lage in Ägypten

in den vergangenen Wochen wurde die Salafiyya-Bewegung in Ägypten von den einfachen Menschen im Lande aufgrund ihrer passiven Haltung von den Ereignissen sehr kritisch betrachtet; auch wenn sie für ihre politische Zurückhaltung bekannt ist. Dies ist eine Behauptung, die die Salafis selbst im Kontext der aktuellen Ereignisse ausdrücklich ablehnen. Sie weisen auf ihr soziales Engagement und ihre Beteiligung bei der Bewahrung von Ordnung auf den Straßen seit 28.01.11 hin. 
Trotzdem war die Mehrheit der Bevölkerung meiner Heimatstadt Damanhur (170 Km. nördlich von Kairo) vorgestern Fr. 11.02.11 sehr überrascht, als in jener Nacht (gegen 23:00 Uhr) Autos mit Lautsprechern die Bevölkerung der Stadt zu einer öffentlichen Konferenz im Sitz der Gam'iyya Salafiyya in Damanhur am nächsten Tag um 15:00 Uhr eingeladen, um die Entwicklung der politischen Lage zu diskutieren. Viele Menschen auf der Straße konnten nicht vorstellen, dass die Salafis wirklich dahinter stecken. Andere meinten, dass so eine Veranstaltung mit aller Sicherheit von den Muslimbrüdern organisiert sein kann. Andere waren der Ansicht, dass die Salafiyya-Bewegung in Damanhur mehr Sympathien als die Muslimbrüderschaft hat; Daher ist es kein Wunder, dass die Bewegung zu einer großen Versammlung in Damanhur einlädt, besonders wenn sie in Alexandria Schwierigkeiten mit den Sicherheitsbehörden haben, so mein Ansprechpartner. 
Gestern Sa. 12.02 um 15:00 war es so weit und überraschender Weise für viele war die Salafiyya-Bewegung tatsächlich dahinter. Die Veranstaltung war sehr gut besucht und die Sprecher waren bekannte salafi Scheichs aus Buhaira, Alexandria und Umgebung wie zum Beispiel Sa'id Hammad, 'Ali Hatim und 'Abd-al-Mun'im asch-Schahhat. Die Salafiyya-Bewegung war angeblich - nach den Angaben eines aus ihren Kreisen - mit allen ihren bisher bekannten lokalen und regionalen Spaltungen (ca. 12 Gruppen) vertreten gewesen.
Die Salafiyya-Bewegung betonte in ihrer Veranstaltung, dass sie zu den politischen Reformen im Lande stehen, solange der zweite Paragraph der Verfassung und die islamische Identität Ägyptens unantastbar bleiben.
Auf der Webseite: http://www.anasalafy.com kann man mit einem bisschen Glück mehr Informationen finden.

Die nächste Veranstaltung der Bewegung wird morgen Mo. 14.02.11 in Kairo (Rahma-Moschee, Pyramidenstraße, gegenüber vom Hotel Europa) stattfinden.

Dienstag, 2. November 2010

Niqab...a tradition or a Salafi dogma?

Heute 02.11.2010 las ich das beigefügte Interview auf der Webseite von Qantra.de (http://de.qantara.de/webcom/show_article.php/_c-469/_nr-1260/i.html). Das Interview wurde von der deutschen Journalistin Stephanie Dötzer in September 2010 in Doha, der Hauptstadt von Katar, der Stadt von Yusuf al-Qaradawi und Aljazeera, mit dem mauritanischen Islamgelehrten Mohamed El-Moctar El-Shinqiti durchgeführt. Mohamed El-Moctar El-Shinqiti  ist nach den Angaben von Qantara.de 1966 in Mauretanien geboren. Er arbeitet zur Zeit der Durchführung des Intervieus am Al Qaradawi Research Center der Islamischen Fakultät in Doha, Katar. Er war zehn Jahre lang der Direktor eines Islamischen Kulturzentrums in Texas und unterrichtete an der Al-Eman Universität im Jemen Koran-Exegese. Er forscht und publiziert über den Dialog zwischen der islamischen Welt und dem Westen, über islamische Denktraditionen und politische Bewegungen, so Qantara.de.
Das interview finde ich im Kontext von Zeit und Raum sehr Interessant. El-Shinqiti wie man offensichtlich vom Interview merken kann, versucht klar und deutlich, sich eine mittlere gemäßigte Position zu finden. Er ist persönlich nicht für den niqab aber auch nicht für das gesetzliche Unterbinden vom niqab-Tragen in der Öffentlichkeit. Er versucht für die wasatiyya zu propagieren. Dies ist legitim. Das gleiche tut al-Azhar, der Mufti von Ägypten und sein Lehrer al-Qaradawi, der zwei Tage nach dem Interview von El-Shinqiti in einem Interview bei Aljazeera seiner Meinung zum niqab erneuert äußerte. Das Interview von al-Qaradawi ist ebenfalls unten beigefügt. Trotzdem geht El-Shinqiti einen weiteren Schritt in dem Wasatiyya-Diskurs. In seiner Argumentation darstellt er   nicht die Salafiyya oder die Wahhabiyya als verantwortlich für die Verbreitung des niqabs in den letzten Jahren, sondern namentlich die Hanbaliyya, die er als einen Minderheit-madhab bezeichnet, die nur zu (Idantitäts-) Krisenzeiten Zulauf gewinnen kann und - historisch gesehen - konnte. 
Ebenfalls fande ich in seinen Diskurs interessant den Widerspruch, dass El-Shinqiti den niqab einmal als regionale Tradition der Bevölkerung der Golfstaaten akzeptiert und toleriert, einmal als vorislamisches Kulturerbe sieht und einmal dem hanbalitischen Dogma in Zusammenhang bringt.


Hier ist das Interview:
Qantara.de - Dialog mit der islamischen Welt 

Interview mit Mohamed El-Moctar
Kampf um Symbole
Sowohl in Europa als auch in arabischen Ländern wird eifrig über Sinn und Unsinn des Gesichtsschleiers gestritten. Für den mauretanischen Religionshistoriker und Islamgelehrten Mohamed El-Moctar hat er mit dem Islam nichts zu tun. Stephanie Doetzer traf ihn in Doha.

Wer im Internet nach islamischen Rechtsgutachten zum Gesichtsschleier sucht, der wird zugeschüttet mit ganz unterschiedlichen Meinungen: Die einen sagen, der Niqab sei zwar keine Pflicht, aber doch gut, die nächsten halten ihn für eine unislamische Modeerscheinung, und wieder andere behaupten, ein Hijab ohne Niqab wäre nicht komplett... was meinen Sie dazu?
 

Mohamed El-Moctar:
 Wenn man sich auf die Quellen des islamischen Rechts beruft, dann gibt es keinen Zweifel: Der Niqab ist absolut keine religiöse Pflicht. Gesichtsschleier waren in vorislamischer Zeit eine Sitte mancher Gesellschaften, in denen sich der Islam ausgebreitet hat – und zwar in jenen Gegenden, wo eine Gesichtsbedeckung wegen der Wüste und der Sonne einfach praktisch war. Man denke nur an die Tuareg in Nordafrika – und da sind es die Männer, die einen Gesichtsschleier tragen. 

Das heißt, der Niqab hat Ihrer Ansicht nach mit dem Islam überhaupt nichts zu tun?
 

El-Moctar:
 Der Islam hat den Niqab nicht verboten – außer für die Pilgerreise nach Mekka. Dazu gibt es Hadithe, die den Gesichtsschleier explizit verbieten. Das sagt viel aus: Gesichtsbedeckung ist nicht erlaubt, obwohl bei der Hajj drei Millionen Männer und Frauen nahe beieinander stehen. Sollte der Niqab tatsächlich eine religiöse Pflicht sein, dann würde so ein Verbot wohl kaum Sinn machen. 

Grundsätzlich aber gilt: Der Islam hat die Sitten und Gebräuche der Leute, die die Religion angenommen haben, nicht einfach abgeschafft – diejenigen, die sich damals dem Islam angeschlossen haben, haben im Normalfall ihre Kultur behalten. Deshalb ist der Islam in Nordafrika ja auch ein anderer als in den Golfstaaten und dort wieder anders als in Südostasien.
 

Und der Gesichtsschleier bedeutet in Katar offensichtlich etwas anderes als in Syrien und dort wieder etwas anderes als in Deutschland. In Katar fällt damit niemand auf, aber wer in einer deutschen Fußgängerzone die Aufmerksamkeit auf sich ziehen will, der braucht nur einen Gesichtsschleier tragen...
 

El-Moctar:
 Eben. In den Golfstaaten respektiere ich den Niqab als eine Tradition der Gegend und als eine individuelle Entscheidung. Niemand kann den Leuten vorschreiben, wie sie ihre Religion zu leben zu haben. Aber man darf nicht vergessen, dass der Gesichtsschleier in den meisten islamischen Ländern nicht üblich ist. Ich komme selbst aus Mauretanien, einem sehr religiösen Land – aber das erste Mal, dass ich eine Frau mit Niqab gesehen habe war 1997 im Jemen! Dort ist das ganz normal, aber in Europa fällt es natürlich auf. Und grundsätzlich gilt im Islam: Niemand, egal ob Mann oder Frau, sollte Kleidung tragen, die stark vom Üblichen abweicht und besonders viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. 

Warum gibt es dennoch unter Muslimen so viele unterschiedliche Meinungen zum Gesichtsschleier? Es sieht ja nicht so aus, als ob irgendein Konsens in Sicht ist.
 

El-Moctar:
 Es gibt unterschiedliche Meinungen, aber für drei von vier Rechtsschulen – Maliki, Hanafi und Schafi'is – ist der Gesichtsschleier definitiv keine Pflicht. Innerhalb der vierten Rechtsschule, Hanbali, da gibt es die Auffassung, dass der Gesichtschleier Pflicht ist. Diese Lesart war ursprünglich auch unter den Hanbalis nur die einer Minderheit – aber heute ist sie in dieser Rechtsschule zur dominanten Meinung geworden. Allerdings wirklich nur in einer der vier Rechtsschulen. 

Dennoch breitet sich der Niqab ganz offensichtlich aus. Bis vor einigen Jahren sah man in Kairo oder Damaskus so gut wie nie eine komplett verhüllte Frau, heute ist der Niqab Teil des Straßenbildes.

El-Moctar:
 Ja, das stimmt. Und es zeigt, dass bestimmte Denkschulen innerhalb der islamischen Rechtssprechung immer mehr Einfluss gewinnen – insbesondere die Salafiten. Der Niqab ist ein Ausdruck davon. 

Woran liegt das?
 

El-Moctar:
 Immer wenn Muslime in eine Krisenzeit geraten, wenden sie sich verstärkt der hanbalitischen Rechtsschule zu. Es war der französische Orientalist Henry Laoust, der das als erster so formuliert hat und ich denke, er hat Recht. Die Hanbaliten stehen für eine strenge, sehr wörtliche Interpretationen des Islams. Und wenn die Zeichen der Zeit auf Krise und Verfall hindeuten, dann neigen religiöse Menschen oft dazu, in den legalistischen, rein formalen Aspekten der Religion Zuflucht zu suchen.
Regeln werden dann wichtiger als die Essenz des Glaubens, Äußerlichkeiten wichtiger als Ethik.
 

Und gleichzeitig wird die Religion zu einem Identitätsmarker?
 

El-Moctar:
 Ja, die Hinwendung zur hanbalitischen Rechtsschule hat auf jeden Fall auch mit der derzeitigen Fixierung auf Identitätsfragen zu tun. Muslime stecken in einer Identitätskrise – und die europäischen Gesellschaften ebenfalls. Beiden wissen gerade nicht so recht, wer oder was sie sind und verkrampfen sich. Aber Identität braucht Flexibilität. Man kann doch gleichzeitig Franzose, Muslim und Europäer sein. Oder Araber, Christ und Syrer. Das Problem beginnt da, wo versucht wird, Menschen auf eine einzige Gruppenzugehörigkeit zu reduzieren. 

Ist das etwas, was die Salafiten versuchen?
 

El-Moctar:
 Genau. Und manche Europäer machen genau das gleiche, immer dann, wenn sie von Muslimen verlangen, sich zwischen ihrer islamischen und ihrer europäischen Identität zu entscheiden. Salafitisches Denken ist nicht die Art von Denken, die der islamischen Welt helfen würde, sich zu weiterzuentwickeln. 

Aber es ist ein Mechanismus der kulturellen Selbstverteidigung. Das gab es schon einmal während der Kreuzzüge, dann wieder während des Einmarschs der Mongolen – und leider heute wieder. Die Muslime werden zunehmend starrer im Denken, weniger offen, weniger selbstbewusst. Ich denke, solche Mechanismen sind überall dort zu beobachten, wo sich eine Gemeinschaft von Menschen angegriffen und bedroht fühlt. Ich habe vor und nach dem 11. September in den USA gelebt und da stelle ich genau das gleiche fest: Die Amerikaner sind seit den Angriffen viel weniger tolerant und viel nervöser geworden. In Europa gibt es ähnliche Tendenzen, wenn auch auf andere Weise. Die Leute haben Angst, dass Europa nicht mehr das Europa ist, das sie kennen.
 

Und in der islamischen Welt wiederum fühlen sich die Menschen in jeder Hinsicht bedroht. Der Niqab ist ein Ausdruck davon. Ich hoffe, dass wir, sobald der Druck von Außen nachlässt, wieder mehr Selbstvertrauen entwickeln – und dadurch auch wieder offener werden.
 

Wenn es sich um eine Reaktion auf Druck von Außen handelt, dann hieße das, dass muslimischer Extremismus oft von genau denen angeheizt wird, die behaupten, den Extremismus bekämpfen zu wollen...
 

El-Moctar:
 Ja, es ist ein Teufelskreis. Je mehr der Druck von Außen zunimmt, umso mehr Muslime wenden sich tatsächlich dem Extremismus zu. Es wäre viel klüger, es einfach den muslimischen Gelehrten zu überlassen, ihre Gemeinschaften davon zu überzeugen, dass der Niqab keine religiöse Notwendigkeit ist. Stattdessen bewirkt die europäische Debatte, dass die Leute noch sturer werden. Sie führt dazu, dass auch Muslime, die eigentlich gar nichts vom Niqab halten, sich mit den Frauen solidarisieren, weil sie solche Gesetzte nur als einen weiteren Beweis für den Hass des Westens auf den Islam auffassen. 

Viele Prediger in allen möglichen Ländern sagen jetzt zu ihren Leuten: "Schaut, diese muslimischen Frauen werden in Europa wegen ihres Glaubens verfolgt!" Das führt zu exakt der Art von Diskurs, den wir wirklich nicht brauchen.
 

Aber was würden Sie muslimischen Frauen in westlichen Ländern sagen, die darauf bestehen, den Niqab zu tragen? Niqabi-Foren im Internet sind voll solcher Statements.
 

El-Moctar:
 Ich sage ihnen, dass es keine schlaue Entscheidung ist. Ich habe zehn Jahre in den USA gelebt und ich glaube, dass Muslime sich auf die Kultur, in der sie leben, einstellen müssen. Es bringt doch nichts, sich an so nebensächliche Themen zu klammern. Wenn es Differenzen mit westlichen Gesellschaften gibt, dann doch bitte zu relevanten Themen – nicht zu so etwas wie dem Niqab oder irgendwelchen Karikaturen. 

Also würden Sie sagen, es ist keine große Sache, wenn westliche Regierungen sich für ein Verbot entscheiden?
 

El-Moctar:
 Objektiv gesehen hat eine Regierung das Recht, aus Sicherheitsgründen solche Entscheidungen zu treffen. Wir leben leider in einem Kontext, in dem wir die Folgen des 11. September tragen müssen. Ob das Sicherheitsargument ehrlich gemeint ist, das ist eine andere Frage. 

Die wirkliche Gefahr aber liegt woanders: Der Westen und die islamische Welt führen einen Krieg über Symbole – statt jene wirklichen Probleme anzugehen, die das Leben vieler Menschen beeinträchtigen. Mit wirklichen Problemen meine ich etwa die weltweite Wirtschaftskrise oder die Tragödie des israelisch-palästinensischen Konflikts. Indem wir über Symbole streiten, lenken wir uns ab von all den Themen, auf die es ankommt.
 

Was wäre Ihre Empfehlung für beide Seiten?
 

El-Moctar:
 Der algerische Philosoph Malik Bennabi hat einmal gesagt: Manche Europäer spielen mit den Muslimen eine Art Stierkampf, sie wedeln mit einem roten Tuch – und die Muslime drehen durch. Wenn ein einzelner Journalist die ganze muslimische Welt wütend machen kann, dann heißt das, dass wir einfach nicht reif und reflektiert genug sind. Wir reagieren, statt zu agieren. Das gilt auch für die Europäer: Es macht für ein europäisches Parlament schlicht keinen Sinn, über den Niqab zu diskutieren, nur weil ein paar Frauen in Paris einen tragen. Sie müssten doch wirklich Wichtigeres zu tun haben!

Ich bin eindeutig gegen ein gesetzliches Verbot des Niqab. Falls die europäischen Regierungen sich aber dazu entschließen, dann sollten Muslime das einfach akzeptieren. Ohne Protest. Denn es ist keine große Sache, also sollten sie es auch nicht zu einer machen. Vor allem aber müssen beide Seiten einmal ganz tief durchatmen. Es ist nicht klug, den Gesichtsschleier zu tragen – und genauso unklug, ihn zu verbieten.
 

Interview: Stephanie Doetzer

© Qantara.de 2010

Mohamed El-Moctar El-Shinqiti (geboren 1966 in Mauretanien) arbeitet derzeit am Al Qaradawi Research Center der Islamischen Fakultät in Doha, Katar. Er war zehn Jahre lang der Direktor eines Islamischen Kulturzentrums in Texas und unterrichtete an der Al-Eman Universität im Jemen Koran-Exegese. Er forscht und publiziert über den Dialog zwischen der islamischen Welt und dem Westen, über islamische Denktraditionen und politische Bewegungen.

Redaktion: Nimet Seker/Qantara.de
Qantara.de

Niqab-Debatte in der arabischen Welt
"Der Niqab ist mein Schutzschild"
 
In Europa diskutiert ein Land nach dem anderen über ein Verbot von Burka und Niqab. Meist ist es eine Debatte über Frauenrechte, Unterdrückung und Fanatismus. Frauen, die einen Gesichtsschleier tragen, kommen dabei jedoch kaum zu Wort. Stephanie Doetzer sprach mit einigen von ihnen in Doha.

Nikab-Debatte im Maghreb
Negation der Person oder Religionsfreiheit?
 
Im Maghreb sind die bislang unbekannten schwarzen Ganzkörperschleier Gegenstand einer anhaltenden Kontroverse. Neue Aufmerksamkeit erhält das Thema durch die in Europa geführte Nikab-Debatte. Beat Stauffer berichtet aus Fes.

Streit um Gesichtsschleier in Ägypten
Spaltung der Gelehrten
 
In Ägypten hat der ranghöchste muslimische Geistliche der renommierten Al-Azhar-Moschee das Tragen des Gesichtsschleiers an religiösen Schulen verboten und damit für einen Skandal in der Öffentlichkeit gesorgt. Alfred Hackensberger berichtet.

Dossier
Der Streit ums Kopftuch
 
Die Kontroverse über das Tragen des Kopftuchs ist nicht nur in Deutschland allgegenwärtig. Auch in den Nachbarstaaten und in der islamischen Welt erhitzt das Thema zunehmend die Gemüter. Wir beleuchten die Aspekte, Hintergründe und gesellschaftlichen Realitäten der Kopftuchdebatte.

   


In seinem Portal veröffentlichte Qaradawi am 30.09.2010 seinen Meinung zum niqab, wie er einen Tag davor sich bei Aljazeera dazu äußerte.




"الخميس 30 سبتمبر 2004


برامج ولقاءات:  برامج متنوعة
نقاب المرأة في مجتمعاتنا العربية
موضوع أثير وزاد الجدل حوله في الآونه الأخيره ألا وهو نقاب المرأة العربية وتضاربت حوله الآراء واختلفت وجهات النظر حول حكمة الشرعي وهل هو فريضة دينية، حرية شخصية أم بدعة دخيلة.

في برنامج عرض على قناة الجزيرة بعنوان (نقاب المرأة في مجتمعاتنا العربية )  تقديم لونه الشبل كانت هناك أسئلة موجه للدكتور يوسف القرضاوي عن ما هو الحكم الشرعي حول النقاب؟ وما العمل عندما تتطلب الضرورة الأمنية كشف المرأة المنقبة لوجهها؟

فكان رد الدكتور يوسف عن الحكم الشرعي في موضوع النقاب.
يوسف القرضاوي: أستطيع أن أؤكد أن النقاب حق للمرأة المسلمة خصوصا إذا رأت أنه واجب عليها إذا أخذت بالرأي الذي يقول بوجوب تغطية الوجه فلا نستطيع أن نفرض عليها أن تخالف أمرا تعتقد بوجوبه شرعا، بل أرى أنها حتى لو رأت أن هذا أمر مستحب لا يجوز لنا أن نفرض عليها أن تترك أمرا مستحبا هذا يدخل في حقها الشخصي وحريتها الشخصية وحريتها الدينية، فهذا ولكن الرأي الذي أرجحه هو رأي جمهور الفقهاء أن النقاب ليس واجبا وهناك أدلة كثيرة تبين أن تغطية الوجه وهو المقصود بكلمة النقاب ليست واجبا دينيا والأدلة على ذلك كثيرة من القرآن ومن السنة النبوية.

وسئل الدكتور يوسف القرضاوي أيضا عن العمل إذا ما تطلبت الضرورة الأمنية خلع النقاب في مراكز الحدود وكشف الوجه.

يوسف القرضاوي: في حالة الضرورة الأمنية كما إذا كان المرأة تدخل من بلد إلى بلد ويحتاج إلى أن يعرف الناس وجهها لابد أن تكشف وجهها في حالات الامتحان ربما واحدة تدخل مكان واحدة فلازم يعني لابد أن تكشف وجهها حتى يعرف الناس شخصية المرأة في حالات الضرورات الأمنية أو غير الأمنية إذا كان تقتضي أن يعرف الناس شخصيتها وإنما شخصيتها تعرف بوجهها فيلزمها أن تكشف وجهها في هذه الحالة ولاحرج عليها شرعا.
"




Montag, 25. Oktober 2010

Al-Madḫalīya: a Salafi Movement and the public working in Egypt

Al-Madḫalīya is a new salafi Movement. It is about 20 years old and was established in Saudi Arabia in 1991. The founder of the movement names Muḥammad Amān al-Ǧāmī. Because of that it is noun also as the Ǧāmīya. The name "Madḫalīya" is according to one of its famous theoretician:
Rabīʿ bin Hādī al-Madḫalī. Even how the follower of this Movement do not like both attribute. They think like the most of all other salafi movements the right Muslim group (al-firqa an-nāǧīya min an-nār)
 
 

Samstag, 23. Oktober 2010

The Grand Mufti of Egypt Alī Ǧumʿa: Salafism is the other face of Secularism

In Ägypten wird Salafismus im Rahmen des Kampfs gegen Terrorismus und die Radikalisierung der Gesellschaft bekämpft. Dies ist kein Geheimnis. Aber wenn ich innerhalb von 14 Tagen zwei Artikeln vom großen Mufti und einen Artikel vom Minister für religiöse Stiftungen und Angelegenheiten lese, in denen SIE sich gegen die Salafisten richten und zur gleichen Zeit  bekannt gegeben wird, dass die staatlichen Medienapparate die Strahlung der meisten Salafi-Fernsehsender auf den staatlichen Satelliten "Nilsat"  verbaten, dann muss ich davon ausgehen, dass der ägyptische Staat ernst damit meint, Salafismus allgemein zu bekämpfen.

In diesem Kontext stelle ich eine angebliche Zusammenfassung der Äußerungen des großen Mufti von Ägypten in einem Interview auf Islam-Online. Das originale Interview habe ich nicht gefunden. Die Zusammenfassung stammte aus der elektronischem ägyptischen Zeitschrift "almesryoon" nach der kuwaitischen Zeitschrift "al-Anba´" am 23.10.2010.


على جمعة: السلفية المتشددة أقرب للعلمانية منها إلى الإسلام

 23-10-2010 09:46


قال د.علي جمعة مفتي الديار المصرية إن السلفية المتشددة أقرب إلى العلمانية منها إلى الإسلام، وأن الفكر السلفي المنغلق هو الوجه الآخر للفكر العلماني، شارحا أنه إذا كانت العلمانية تريد أن تعزل الدين عن سير الحياة، فإن السلفية تسعى إلى أن تنعزل بالدين عن الواقع.

DrAlī Ǧumʿa, the Grand Mufti of Egypt said that the radical Salafism is closer to the Secularism then to Islam, and that the closed Salafi ideology is the other face of the secular thought. He explained that when the Seculars want to isolate religion from the conduct of the lifethe Salafis seek to cut off the religion from the reality.

واعتبر د. علي جمعة أن د.عبد الوهاب المسيري المفكر المصري الراحل هو أول من شرح هذا وهو يصف السلفية بأنها أقرب إلى العلمانية، وباختصار شديد يمكن القول إن العلمانية لا تنكر الدين، لكنها تنحي الدين عن سير الحياة، والسلفية المتشددة تريد أن تنعزل بالدين عن سير الحياة،بحسب جريدة الأنباء الكويتية. 

According to the Kuwaiti newspaper Al-Anbāʾ said  Ǧumʿa that the former Egyptian thinker Dr. Abd al-Wahhāb al-Misīrī was the first how demonstrate how Salafism is close to Secularism. Briefly, we can say that secularism does not deny religion, but contradict the influence of religion in the conduct of life. On the other side want the radical Salafism to keep the Religion far and isolated from the progress of the life.

وأضاف ان "العلمانية تؤمن بالخصوصية، ولذلك تدعو إلى اختصاص كل قوم بلغتهم، بثقافتهم، بفلكلورهم، بتاريخهم، بمصالحهم، فهي تؤيد انفصال الأكراد والتركمان والعرب والشيعة من السنة والأقباط من المسلمين، العلمانية تريد هذا، لذلك تريد خريطة أخرى للعالم. وبدلا من 200 دولة يصبح 400 دولة". 

He added that the "Secularism provide privacy, and therefore invite to the jurisdiction of every nation in their own language, culture, folklore, history and interests. They support the separating of the Kurds, Turkmens and Arabs and the Shiites from the Sunnis and the Christians from the Muslims. Secularists want that. They want another map of the world. Instead of 200 countries it may be 400 states. "

وتابع "السلفي المتشدد يريد الخصوصية، يريد أن تتركه في حاله، يلبس كما يشاء ويصلي كما يشاء منعزلا في مسجده، ولذلك تجد هذه السلفية التدميرية تبني برنامجا كثير الجزئيات حتى يعيش فيه الإنسان بعيدا عن ممارسة الحياة، إذن فالسلفية تقابلها العلمانية، ولذلك رأينا العلمانية وهي تبارك السلفية إلى أن لدغت منها في المصالح، ولكن الفكر السلفي هو الوجه الآخر للفكر العلماني وهو لا يدري". 

"The hardliner Salafis want privacy. They want from you to leave them with themselves, dressing as they wish and praying as they please; isolated in their mosque. So you find this Salafis destructive to adopt a program of many particles to survive away from the practice of life. Because of that is Salafism another face of secularism. And because of that we saw how the Secularism was pleasing Salafism until they came to a conflict of interests. Nevertheless still the Salafi ideology another face of Secularism and they do not recognize that.  

ويستطرد المفتي شارحا رؤيته "عندما يسمع السلفيون هذا الكلام يغضبون، يقولون لا، نحن مؤمنون والعلمانية كفر، أبدا، العلمانية أصلا لم ينكروا الدين، هم يريدون أن يخصصوا الدين أو يعزلوا الدين، وأنتم تريدون أن تنعزلوا بالدين، وهذه هي المشابهة". 

The Mufti explains his vision: "when the Salafis hear this talk they get angry, they say no, we are believers and the seculars are unbelievers. Never, seculars originally did not deny the religion, they want only to allocate the religion or to isolate it, and you [Salafis] want to be isolated with the religion, and that is the same."

وتابع "كان بعض دعاة السلفية يقول إن هؤلاء الناس يدعون إلى الإسلام المتميع، لكننا ندعو لإسلام غير متميع، هو يراه على هذا النحو لأن به جزئيات كثيرة، يقول للفرد افعل، افعل، افعل، ولا تفعل، لا تفعل، لا تفعل، وهذه الجزئيات كلها مختصة بالخصوصية وبالهوية، ومختصة بالاعتزال لا بالتفاعل، ومن هنا كانت هناك مشابهة، مشابهة أستطيع أن أقول إنها مؤلمة لكنها حقيقية". 

He added: “Some advocates of Salafism say that: these people [the seculars] claim to a fluid Islam, but we call for a solid Islam. They [the Salafis] seen it as such that because its particles are many; they say to the people there is  to do,  to do,  to do, and not to do, not to do, not to do, and these particles became a competent to privacy and identity, and competent to isolate themselves and not to interact. And here is the parallelism. A comparable that I can say it's painful but real. "

ورأى الشيخ د.علي جمعة أن انتشار السلفية جاء كردة فعل على موجات العلمانية التي تكتسح المجتمعات الإسلامية، وقال "عندما تريد هذه المجتمعات أن تتمسك بهويتها، فلا يكون عندها قدرة على التفكر والوسطية والاعتدال والانفتاح والترقب، فتلقي نفسها في أحضان السلفية، لأن السلفية حينئذ ستمثل لها هوية محددة". 

DrAlī Ǧumʿa said also that the spread of Salafism came in reaction to the waves of secularism that is sweeping the Muslim communities and added, "When these communities want to adhere to its identity, they have not any more the capacity for reflection, moderation, openness and anticipation. And then they threw themselves in the arms of the Salafism, because the Salafism represent a clear identity. “

ونفى المفتي في المقابل أن تكون ثقة جموع المسلمين في الأزهر قد اهتزت في السنوات الأخيرة، مشددا على أن المنهج الأزهري الوسطي "كالهرم، يتجاوز الزمان والمكان، وسيظل هرماً". 
And he negated in turn that the confidence of the masses of Muslims in Al-Azhar has been shaken in recent years, stressing that the approach Azhari centrism is solid like a pyramid, beyond time and space, and will continue to be a pyramid."

وقال إنه مطمئن لكل الفتاوى التي أصدرها خلال ثمانية أعوام تقريباً قضاها في منصبه، ولا يعتقد أنه بحاجة لأن يراجع أيا منها، لأن كل ما صدر كان جهدا مؤسسيا "عدنا فيه دائما لأهل الذكر، ولم يكن اجتهاداً فردياً". "

He said that he assured all fatwas issued through almost eight years in his office and that he does not believe that he needs to review any of them, because all that was an effort of the establishment "which always concerned to the authorities of the experts, and was not an individual opinion.


Freitag, 22. Oktober 2010

Salafiya!! ........Why now?

Am 25.09.2010 landete ich im Kairo-Flughafen nach mehr als 12 Jahre Studienaufenthalt der Islamwissenschaft in der Bundesrepublik Deutschland. Ausgerüstet mit dem Wissen eines promovierten Geisteswissenschaftlers und eigener empirischer Erfahrung empfing ich das alte Heimat. Alle meiner Sinnen waren vom ersten Moment aktiviert. Ich sehe, ich höre, ich fühle alles mögliches, was mich begegnet. Ich speichere es und versuche manchmal die Zusammenhänge herauszufinden und zu analysieren.
Die Berichte, die ich in den letzten Monaten über Ägypten erhielt und gelesen habe, sprechen davon, dass Ägypten vor einer Änderung steht. Ich bin aber seit zwei Jahren der Meinung, dass Ägypten ändert sich radikal und sehr schnell. Dies sind die Eindrücke meiner dreiwöchigen Aufenthalte in den letzten zwei Jahren. Dass ich im Ausland lebe und vom Außen es beobachte ermöglicht mir die kleinsten Änderungen Wahr zu nehmen. Der im Lande lebt ändert sich mit. Er spürte zwar, dass die Welt um sich veränderlich wirkt, aber in wie Weit kann keiner sagen.
Seit Jahren schreien die Ägypter in den Medien und auf der Straße protestierend nach einer Wende, nach einer Veränderung, nach einer neuen Gesellschaft. Gleichzeitig stellen sie die Frage: Ägypten, wohin geht es? Sie merken meistens dabei nicht, dass die Änderung bereits gekommen ist und dass der Ausgangspunkt ihrer Forderung nach Änderung schon überholt ist und damit sind ihre Forderungen heute nicht mehr zeitgemäß, nicht mehr relevant.
Nach nur drei Tagen war ich davon überzeugt,  dass wir hier in Ägypten mitten eines Durchbruchs stehen und dass wir seine Augenzeuge sind ......Deshalb ist das Festhalten, das Dokumentieren unserer Zeugnisse sind sehr erforderlich, gerade jetzt und nicht Morgen.
Ich habe vor, mein Zeugnis vorzulegen. Als Islamwissenschaftler wollte ich was passendes. Da ich vom ersten Tag hier so oft zum Thema niqab und salafiya angesprochen wurde, habe ich für das Phänomen "Salafismus" entschieden. Es scheint mir gerade, dass die "Salafisten" gerade als Quellen aller Übel in den Medien und im offiziellen Diskurs verkauft werden. Selber bin erstaunt, von der großen Zahl der munaqabat auf der Straße. Ich registriere aber, dass niqab kein salafi Uniform mehr geblieben. Es gibt mittlerer Weile den eleganten niqab, den funky und sogar den sexy niqab, der vom Körper nach Außen betont als verbergt. Gleichzeitig treffe ich mich auf viele junge Männer mit kleinen Bärtchen in modernen out fit oder Männer ohne Bärtchen in Begleitung von munaqabat unterweg. Also wer ist heute salafi? Wen wollen wir als salafi identifizieren und wahrnehmen? Ist Salafismus wirklich so gefährlich oder sind wir alle Don Chechotte? Viele Fragen und es gibt sich noch viel mehr. Ich stelle die Frage aber einfach und schlicht: What about Salafism? 
 Auf dieser Webseite und in diesem Blog, werden zeitgenössischen Zeugnisse zum Thema "Salafiya jetzt" aus innen und außen Sicht in den Sprachen Arabisch, Deutsch und Englisch gesammelt.
Sie sind alle eingeladen daran mitzuwirken.

Bitte senden Sie Ihr Zeugnis an: whataboutsalafism@googlemail.com